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BMW F 800 Ganz Stark

Bericht: Ebbse

 

 

 


 

 

BMW F 800 Ganz Stark

 

Was ich schon in meinem letzten Editorial mit der Liebe auf den zweiten Blick angedeutet

und so manchen theoretischen Traum gehegt hatte, wurde beim Test in Südafrika greifbare Wirklichkeit!

Was beim bloßen Draufsitzen auf die neue F800 GS in Mailand schon leichte Begierden auslöste, wurde jetzt zur Gier.

Bevor es soweit war, mussten kurz 12 Stunden Flug und schlaffe 35 Grad Temperaturunterschied mit entsprechender Luftfeuchtigkeit bewältigt werden.


 

 

Wenn man(n) gierig ist, gibt man für seine Liebe alles!!


Über 30 funkelnagelneue F 800 GS konnten von den weltweit angereisten Motorradjournalisten auf einer per Roadbook empfohlenen Strecke ins „Valley of 1000 Hills“- über Stock und Stein - aufs Härteste getestet werden.


Gleich nach der Schlüsselübergabe stieg mein Puls an. Wie im normalen Leben beim ersten „Befühlen“ der großen Liebe...!!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Den Zündschlüssel rein gesteckt, umgedreht, auf den Knopf gedrückt und ich bekam eine Gänsehaut. Wow!!

Ein kerniger „Boxerpowersound“ aus einem

2 zylindrigen Rotaxmotor, wie ich ihn mir schon immer von BMW gewünscht hatte, aber jetzt zum ersten Mal zu hören bekam.

Das Instrumentarium ist fast identisch mit dem der 1200 GS.

Bei meiner Körperlänge von 195cm fällt manches Motorradtestobjekt eher zu niedrig als zu hoch aus, die Sitzhöhe mit 88 cm passt für mich optimal.

Im Zubehörprogramm gibt’s auch eine niedrigere 85 cm Sitzbank.

 

Das Schild „keep left“ hatte nichts mit unserer neuen Showpartei, sondern vielmehr mit dem zu beachtenden Linksverkehr zu tun.

 

Es war alles perfekt vorbereitet, um so schnell wie möglich der neuen F 800 GS auf den Zahn fühlen zu können.

 

 

 

 

 

 

 

Eine mit Normalkraft zu bedienende Kupplung und schwups schon ist der erste Gang drin – ohne Klong, Kratz, Raspel, ganz geräuschlos! Schon wieder etwas BMW-Untypisches, aber ganz Positives!

 

 

 

Endlich fahren und nicht in der Hitze vor sich hin schwitzen.

 

 

Ganz sauber nimmt die GS das Gas an.

Kurz Gas auf, Gas zu – die oftmals lästigen Lastwechselreaktionen bleiben aus.

 

Die 6-Gang Getriebeabstufung ist sehr praxisgerecht ausgelegt und lässt sich ohne

großen Kraftaufwand problemlos schalten.

 

 

 

 

Nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis ist mit 85 PS genügend Dampf im Kessel, um aus dem Keller loszusprinten. Möglich macht dies
eine gegenüber der normalen F 800 S geänderte Nockenwelle und durch den Einsatz von bleifrei Superbenzin.

 

 

Wer’s braucht beschleunigt bis über die 200er Marke. Bodenwellen, Schlaglöcher und Spurrillen werden von dem hervorragend abgestimmten Fahrwerk schlichtweg ignoriert.

Selbst tiefste Regenrinnen auf den Schotterpisten und Trampelpfaden bringen eher den Fahrer in Bedrängnis, als die vordere 45er Upsite-Down-Gabel zum Durchschlagen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Hier wirkt sich das 21-Zoll-Vorderrad besonders positiv aus.

Es muss ganz brutal kommen, um das hintere Sachsfederbein auf Block gehen zu lassen.

 

Das optional angebotene ABS sorgt ganz unauffällig und zuverlässig im richtigen Moment für die nötige Verzögerung der 300 mm Doppelscheiben.

 

Auf den von uns befahrenen Schotter-pisten mit teilweise über 30% Gefälle und sehr rolligem Schotter empfiehlt es sich, dieses vorher abzuschalten,

sonst könnte es leicht passieren,

dass ein Einschlag mangels Verzögerung im nächsten Zulu Kral unvermeidbar wird.

Hier sind natürlich die aufgezogenen Bridgestone-TW-Straßenreifen an ihren Grenzen angelangt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Es sind auch wesentlich grobstolligere Gummies für die GS homologiert.

Die sind ganz besonders dann empfehlenswert, wenn es vom „normalen“ Straßenschotter in unübersehbares steiles Dreck- und, Schottergelände geht, wo das Ziel den Weg darstellt, weil eigentlich kein Weg mehr sichtbar ist.

 

 

Knapp über 200 kg ohne Fahrer wollen bewältigt und bewegt werden.

Mit dem sehr engen Wendekreis hätte sich so mancher Tester - inklusive mir - die Tortour einer schwarzen Spezialtestpiste ersparen können.

Aber wer möchte sich schon als Weichei outen?

 

 

 

 

Schwierige Trialpassagen mit sehr hohen Drehzahlen, reihenweise Umfaller und so mancher glimpflich überstandene Überschlag beeindruckten überwiegend die Fahrer und fast nie die GS!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Während wir an unseren Wassersäcken nuckelten, um unsere Körperwasserverluste wieder aufzufüllen, hielt der gut dimensionierte und rechtzeitig einsetzende Ventilator den wassergekühlten 2-Zylinder Parallel-Twin vom übermäßigen Schwitzen ab.

Das montierte Windschild hatte glücklicherweise bei meiner Größe fast keine Windableitfunktion, so dass die dringend benötigte Körperkühlung bei zügiger Fahrt durch etwas Fahrtwind zu Stande kam.

Die GS haben mit ein paar Kratzern und einigen schräg „guckenden“ Blinkern die Tortour wesentlich besser weggesteckt als mancher Fahrer. Dabei hätten sie ob unserer brutalen Behandlung allen Grund zur Klage gehabt.

 

 

 

Mir ist jetzt auch klar, warum man sich bei BMW für eine endlos O-Ringkette entschieden hat, statt dem in der normalen F800 S verbauten Zahnriemen.

Beim Einsatz in wirklich hartem
dreckigen Gelände, wäre ein Zahnriemen schnell am Ende.

 

 

 

 

 

 

Zwischen 3000 und 7000 Umdrehungen und dem 2. bis 4. Gang fühlt sich der Motor im Gelände am wohlsten und der Fahrer hat am meisten Spaß.

Körperliche Vibrationen hatte ich weit mehr als die GS-Motorvibrationen.

Bei einem so enduro-orientierten Motorrad werden die allerwenigsten Käufer nach Vibrationen suchen.

 


 

Qualität und Fahrspaß haben ihren Preis – so auch mit den 9.640 Euro für die Basisausführung der GS.

 


 

Das ist vielleicht das einzige kleine Hindernis,

um die lechzenden Africa-Twin-Fans vollends ins BMW Lager zu ziehen.

Aus meiner Sicht ist der äußerst clevere und genau zur richtigen Zeit gelandete Coup voll gelungen!!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Übrigens:

Nicht nur in meinem Kopf sind überaus schöne Eindrücke von der Maschine und der herrlichen Landschaft um Durban geblieben, auch mein persönliches Fahr- äh Fußwerk erinnerte sich über eine Woche an die herrlichen Schotterpisten.
Wer sich selbst mal das Schotterparadies Südafrika gönnen möchte, sollte sich unter www.mototour. co.za erkundigen.

 

Tourguide Roger findet bestimmt eine Piste, die alles von Euch abverlangt!

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Technische Daten F 800 GS


Hubraum: 798 cm2
Bohrung/Hub: 82/75,6 mm
Leistung: 85 PS
bei Drehzahl: 7500
Drehmoment: 83 Nm
Zylinder: 2
Verdichtung: 1:12
Ventile pro Zyl.: 4
Kraftstoff: Super bleifrei
Tankinhalt: 16 Liter • Tank unter der Sitzbank!
Verbrauch laut BMW: 5,2 Liter bei 120 km/h
Gemischaufbereitung: Elektronische Saugrohreinspritzung
Getriebe: 6 Gang
Hinterradantrieb: Endlos O-Ring Kette
Rahmen: Stahl Gitterrohrrahmen
Radführung Vorderrad: Upside-down- Telegabel,
Standrohrdurchmesser: 45mm
Radführung Hinterrad: Einteilige Zweiarm-Aluschwinge
Bremsen vorne: Doppelscheiben 300 mm
Bremse hinten: Einscheibenbremse 265mm
Reifengröße: vorn: 90/90-21 54V
hinten: 150/70-R17 69V
Sitzhöhen: 88 mm oder wahlweise 85 mm
Gewicht fahrfertig: 207 kg
zul. Gesamtgewicht: 443 kg

 

 

Bericht und Bilder: Ebbse

 

 

 



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