Berichte
  Motorrad
Aprilia Shiver

 

 

 

Schöner Nackedei



 

Hand aufs Herz:

wer von uns hat im Urlaub nicht schon mal einen mehr oder weniger kleinen Blick auf eine nicht ganz hässliche Schönheit riskiert, die sich barbusig oder ganz im Eva-Kostüm am Strand ergötzend in der Sonne räkelt?


Schönheit zieht halt die Blicke auf sich, basta!

Genauso könnte es uns jetzt ergehen, wenn wir beim freundlichen Aprilia-Händler durch den Showroom schlendern. Räkelt sich doch auch dort, völlig nackt und ungeniert, eine absolute Schönheit im Schaufenster und stellt ihre optischen Reize unverblümt zur Schau.

 


 

Aprilia’s neue Mittelklasse-Beauty: die Shiver SL 750. Dass zu einer innigen Beziehung mehr als nur die äußeren Werte zählen, ist nichts Neues. Und so wollen wir auch die aparte Italienerin einem ausgiebigen Check unterziehen, ob sie mehr als eine hübsche Verpackung zu bieten hat und sich so für eine glückliche und dauerhafte Beziehung, in der der Spaß natürlich nicht zu kurz kommen darf, eignet.

 

Das Testbike wurde dem WHEELIE’s von der Fa. Motorrad-Dürr, Aprilia- Vertragshändler in Nördlingen- Kleinerdlingen, zur Verfügung gestellt.

Herzlichen Dank hierfür!

 

„Schaut schon geil aus, das Teil“ – den spontanen Lobesspruch kann ich mir einfach nicht verkneifen, als ich in Nördlingen vor der durchge- stylten 750er stehe. Von den Underseat- Auspufftöpfen, die die eckige Grundform der Shiver originell gezeichnet wieder aufnehmen, über Blinker in derselben Form, den herrlichen Gitterrohrrahmen bis hin zum seitlich verlegten, direkt angelenkten Sachs-Zentralfederbein. Die Designer haben hierfür bestimmt Überstunden gemacht und das hat sich gelohnt!

Allen Kleingewachsenen, die im letzten Jahr eine Sitzprobe auf dem Bike gemacht haben, wird der Schreck in die Glieder gefahren sein! Die Beine baumelten irgendwo zwischen Fußrasten und dem rettenden Asphalt. Was nützt mir ein leichtes, agiles Moped, wenn ich mit den Füßen nicht auf den Boden komme? Aprilia hat auf die Kritik prompt reagiert und die Sitzhöhe durch eine niedrigere Sitzbank und eine gekürzte Feder entsprechend reduziert, so dass für Biker/- innen unter 1,70 m ein entspanntes Fahren durchaus möglich ist. Wer jetzt immer noch unter Höhenkoller leidet, kann sich die Sitzhöhe um weitere 5 cm reduzieren lassen. Die Rosenheimer Firma alphaTechnik bietet hierzu einen Tieferlegungssatz an (www.alphatechnik.de).

 

 

 

Wenn wir schon bei den Änderungen sind:

Die diesjährigen Modelle haben serienmäßig ein  reistufiges Fahrprogramm (Mapping) an Bord. So kann der Pilot zwischen den Einstellungen SPORT (spontanere Leistungsentfaltung bei höheren Drehzahlen), TOURING („Dampf“ von unten heraus) und RAIN (sanft einsetzende Kraftentfaltung) wählen. Das klappt übrigens ganz ausgezeichnet! Außerdem bekommt der Sozius/die Sozia einen bequemen Haltegriff spendiert.

Wichtige Info für die Käufer des 2007er Modells: diese Änderungen des aktuellen Bikes rüsten die Aprilia-Händler auf Wunsch kostenlos um bzw. nach. Das nenne ich echten Kundenservice! Ich fühle mich mit meinen 1,80 Metern sofort pudelwohl auf der Italienerin.

 

 

Vor allem der breite konifi- zierte Lenker lässt eine leicht nach vorne gebeugte souveräne Sitzposition zu.

Das von Aprilia gewohnt informative aber etwas schmucklose Cockpit lässt sich einwandfrei ablesen. Nur die funzeligen Kontrolllämpchen verdienen bei Sonnenschein berechtigte Kritik. Da ist es wieder!

 

 

 

 

 

 

Das wohlige Kribbeln, welches einen überkommt, wenn ein Triebwerk aus italienischer Ingenieurshand sein Stakkato anstimmt. Das Donnergrollen im Standgas weicht mit zunehmender Drehzahl einem wütenden heiseren Gebell –
geradeso, als würde ein Kettenhund mit zu engem Halsband zur Weißglut gereizt! Immer wieder ertappe ich mich, wie ich bei roter Ampel, zur Freude meiner Mitmenschen(?), das Gas kurz aufziehe, um mir den „Italo-Blues“ zu geben!
Schon in der Stadt zeigt sich, wie handlich und spontan die Shiver ist. Jeder Zug am Gasgriff wird unverzüglich umgesetzt. „Fly-by-wire“ heißt eine weitere aus der Formel 1 bekannte Innovation, die die 750er für sich verbuchen kann. Hierbei werden die Gasbefehle elektronisch an die Drosselklappen der Einspritzung weiter gegeben. Nach anfänglicher Kritik wurde auch dieses System überarbeitet und funktioniert nun in der Praxis ohne Tadel. Der 90 Grad-V2, ein komplettes Aprilia- Eigengewächs, macht Laune pur. Jenseits von 2000 Touren führt er ein „ruckelfreies“ Leben, ab 3000 U/min kommt Leben in die Bude und steht die 5000er Marke auf dem Drehzahlmesser, geht die Post so richtig ab. Mag die Shiver meinetwegen als Mittelklasse-Moped eingestuft sein, die Fahrwerte und die Fahreigenschaften reichen an die Big-Bike- Klasse heran bzw. liegen in punkto Fahrdynamik weit darüber. In „freier Wildbahn“ zeigt die Schöne vom Comer See den „dicken“ Bandits, XJR’s oder MT-01 (heul!) ihr sexy Rücklicht. Im flüssigen Kurvengeschlängel hat man mit ihr die „Leichtigkeit des Seins“ gepachtet. Ohne jeglichen Kraftaufwand wirft sie sich von einer Biegung in die andere. Dabei ist sie so unglaublich leicht zu beherrschen – man könnte meinen, sein ganzes Leben nichts anderes getan zu haben als Shiver gefahren zu sein! Auch
ein Verdienst des eingangs erwähnten breiten Superbikelenkers, der zudem ein hervorragendes Gefühl für das Vorderrad vermittelt. Dabei spielt es absolut keine Rolle, welches Gütesiegel der jeweilige Straßenzustand verdient. Die Aprilia zieht mit stoischer Ruhe und Souveränität ihre vom Piloten vorgegebene Bahn. Nur im langsamen Schiebebetrieb zeigen sich die zweizylinder- typischen Lastwechselreaktionen, die aber nicht sonderlich ausgeprägt sind. Am Fahrwerk finden sich keinerlei
Kritikpunkte, es sei denn, es stört sich jemand daran, dass sich die Upsidedown- Gabel nicht einstellen lässt. Dies werden höchstens die Rennstreckenfreaks vermissen und für die ist die Shiver eh nicht gemacht. Alle anderen werden sich am ausgezeichneten Kompromiss zwischen Komfort und sportlichen Fahreigenschaften erfreuen. Als weiterer Pluspunkt darf
die fein zu dosierende Bremsanlage (Stahlflexleitungen Serie) gelten. Nicht zu giftig, aber jederzeit Herr der Lage, verrichtet sie sowohl vorn als auch hinten ihren sicherheitsrelevanten Dienst. Einziger Wehrmutstropfen: das heftige Aufstellmoment
beim Bremsen in Schräglage. Wieder mal ein Tribut an die modisch-fette 180er Hinterradwalze. Auf ein ABS muss man Anfang 2008 noch verzichten, dies soll dann ab Juni zu haben sein.

 


 

Noch ein Wort zur Reisetauglichkeit:
Aufgrund des potenten und souveränen Triebwerks in Verbindung mit dessen sparsamem Umgang mit dem teuren Kraftstoff (Verbrauchswerte WHEELIE’s: 4,7 Liter Super/Landstraße) und der ergonomisch hervorragenden Sitzposition lassen sich problemlos längere Urlaubsetappen bewerkstelligen. Der Reisebegleiter darf sich über einen gemütlich-entspannten Soziusplatz freuen, auf dem man aufgrund der erhöhten Sitzposition stets den wichtigen „Über“blick behält. Ein Dank an dieser Stelle an Susanne und Werner, die mir, nach ausführlichen „Zweier- Ritts“, wichtige Infos zu diesem Thema  zukommen lassen konnten. Als Manko für die große Tour fällt nur der nicht vorhandene Windschutz ins Gewicht.

 

Fazit:
Wenn das Teil kein Erfolg wird, dann weiß ich ehrlich gesagt nicht, was die Verantwortlichen von Aprilia noch auf die Räder stellen sollen! Ein ausgezeichnetes Allround-Bike für Einsteiger, Wiedereinsteiger aber auch für „alte Hasen“, die maximalen
Fahrspaß zu einem vernüftigen Preis suchen. Wenn der Kunde dann auch noch ein äußerst attraktives Design, eine prima Verarbeitung und einen betörenden Sound, gepaart mit einer überdurchschnittlichen Alltagstauglichkeit mitgeliefert  bekommt, Leute, was wollt ihr eigentlich noch?! Das Teil geht wie ein räudiger Kater auf der Katz’, sucht die Kurven wie
ein preisgekrönter Drogenspürhund den Stoff und ist dabei so wunderbar einfach zu beherrschen wie Klein-Fritzchens Ritt auf dem Kinderkarusell. Zusammen mit der Triumph Street Triple für mich der „Freizeit- Hit“ der Bike-Mittelklasse 2008!

 

Infos:

 

www.aprilia.de

 

RSI-Performance

www.rsi-performance.de

 

 

 

Text: Ebbse / F otos: Buenos Dias/Ebbse / www.wheelies.de

 



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