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Honda / Aprilia
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„Fernost“- Italienerin gegen Italienerin

 

 


HM ist ein Kürzel mit Bekanntheitsgrad in der Offroadszene, Aprilia kennt die ganze Motorradwelt. Honda ist eine feste Größe in der Offroadwelt und Aprilia immer noch ein aufstrebender Rookie.  
Das Team von Honda Montesa hat sich der in USA erhältlichen CRF450X angenommen, um sie einer Euro- Drei- Norm- Homologation zu unterziehen.  Das Engagement, das man in dieses Projekt investierte, hat sich ausgezahlt. Durch die Zulassung ist die Honda Supermoto jetzt, genau wie die Aprilia Supermoto, voll straßentauglich.
Ob das wirklich so ist, galt es herauszufinden. Bei Aprilia ist alles beim Alten geblieben, 14 KW sind eingetragen und gefahren wird überall trotzdem offen. Die Honda hat immerhin 18 eingetragene Kilowatt, gefahren wird ???- OFFEN!!!

 

Dem Motor der Honda wurde nicht nur eine Einspritzung verpasst, er wurde zudem bearbeitet. Knapp 490 Kubikzentimeter misst er jetzt, dank einer hunderter Bohrung.
Die Aprilia startet bei Verwendung der Kaltstarteinrichtung nicht gerade willig, aber sie läuft. Die Warmlaufphase sollte ein wenig ausgedehnt werden, denn sie will nicht wirklich gleich Hochleistung vollbringen. Der kernige Sound aus den Designendrohren könnte in der Kaltstartphase grundsätzlich als grimmiges Brummen beim Nicht- Aufstehen- Wollen verstanden werden. Hingegen ist die eingewanderte Italienerin aus dem Hause HM pflichtbewusst, wie aus ihrer Heimat nicht anders zu erwarten, sofort mit Tatendrang erfüllt. Die Geräusche, die aus dem Endurodämpfer der Honda ertönen, wirken allerdings etwas gequält. Zudem läuft das Triebwerk im Stand nicht harmonisch, ein Klappern ist zu hören, das sofort den Eindruck erweckt, dass die große Bohrung ungeschickt gewählt wurde. Die Fahrtests sollten Aufschluss darüber geben, ob sich Befürchtungen bestätigen. Los geht’s über die Felder hinter unserer Werkstatt. Beim Losfahren ging die Aprilia noch einmal aus, da ihr vermutlich noch ein wenig kalt war.

 

Auf den Schotterpfaden der Felder fühlen sich beide wohl. Durch die Einspritzungen lassen sie sich sehr dosiert befeuern und vermitteln fast schon Grip unter der Straßenbereifung.

 

 

Das Aggregat der Aprilia läuft schon im Stand oberhalb von 2000 Touren. Ab 4000 Umdrehungen legt sie kräftig los und geht bis jenseits der Zehntausender Marke gewaltig. Mittlerweile hat man in Noale in der Provinz Venedig auch ein passendes Mapping gefunden. Je höher jedoch die Drehzahlen werden, desto stärker werden auch die Vibrationen in den Lenkerenden, was für uns immer noch unverständlich ist, da die Lenkerböcke gummigedämpft in der Gabelbrücke verschraubt sind. Hier sollte Aprilia nachbessern. Zwei weitere Punkte zum Antrieb der Bella fallen auf. Wer seine Süße einmal im Offroad bewegen mag, der muss ein wenig auf die sehr spontan reagierende Einspritzung Acht geben. Jeder kurze Gasdreh wird sofort in Vorschub umgesetzt und zieht seinem Reiter gerne einmal die Arme lang. Bei der Auswahl der Gänge hat man wenig Probleme. Jeder Gang passt bei passender Kurbelumdrehungszahl perfekt. Die Gangradpaare fallen sich fast schon in die Arme.
Lediglich die im Bremsdrift schlecht zu dosierende Kupplung lässt sich bemängeln. Auf der Rennstrecke ist daher eine Antihopping- Kupplung, zum Beispiel von SuterRacing, empfehlenswert.

Der Antrieb der Wahlitalienerin ist vom Sound her unspektakulärer, geht aber schon aus dem Drehzahlkeller forsch zur Sache. Die Einspritzung ist ebenfalls schnell bei der Sache, reagiert aber leider bei kurzen Gasstößen aus niedrigen Drehzahlen so extrem sensibel, dass der Motor abrupt abstirbt. Besonders aufgefallen ist uns dieses Problem beim Tracktest auf der Supermoto-Rennstrecke von Hans „Dampf“ Eder in Volary/ Tschechien (www.supermo.to). Im Offroad in engen Ecken, wo das Spielen mit Gas, Bremse und Kupplung von Nöten ist, verschluckt sich das Aggregat gerne einmal. Das erneute Anlassen des Triebwerks bereitet zwar mit Elektrostarter keine Probleme, wenn man dabei kein Gas gibt, nervt aber ein wenig. Der Grund für diesen Zustand könnte der nicht bearbeitete Zylinderkopf sein. Man hätte diesen eventuell auch bearbeiten müssen, oder die Gemischaufbereitung im unteren Drehzahlbereich über das Mapping anders regeln sollen, da die Lufteinströmung natürlich nur auf den 450er Motor und nicht auf einen 490er ausgelegt ist. An diesem Problem wird allerdings schon gearbeitet, wie wir im Gespräch mit Honda Waldmann, dem deutschen Importeur der edlen Italo- Hondas, erfuhren.

 

 

Davon mal abgesehen erweist sich die Leistungsentfaltung bei der HM auf Asphalt als angenehm druckvoll. Schalten lässt sie sich japanisch korrekt und schnell. Bei einer noch etwas mehr auf Supermoto abgestimmten Endübersetzung (hinten zwei bis vier Zähne weniger) wäre der erste Gang besser zu nutzen und das komplette Leistungs- Drehmomentband könnte sich noch angenehmer entfalten. Damit hätte die Honda einen Vorteil gegenüber der Aprilia. Würde man bei der gebürtigen Stiefelbewohnerin die Endübersetzung noch ein wenig verlängern, um sie noch besser für die Strasse nutzbar zu machen, wäre mit ihr das Fahren um engen Ecken anstrengender, da man mit mehr Drehzahl fahren müsste, um den Drehmomentnachteil gegenüber dem Einzylinder wett zu machen.

 

 

Beim Fahrwerk trumpft die Aprilia. Mit etwas Feingefühl lässt es sich bei ihr sehr gut abstimmen und funktioniert ordentlich. Einstellmöglichkeiten sind zur Genüge vorhanden. Die Gabel, eine 48er hydraulische USD,  einstellbar in Zug- und Druckstufe, sowie ein Sachsdämpfer hinten, der in der Zugstufe und Druck-( Hi/Low) Stufe einstellbar ist, machen eine gute Figur. Leider leidet das Setup wieder unter dem schlechten Einfluss der noch immer nicht in den Ruhestand getretenen Dunlop D208. Für noch mehr Handlichkeit sorgt in der Regel ein etwas schmalerer Hinterreifen- oder immerhin ein hinterer Gummi mit einer Form und Gummimischung mit aktuellem Standard.
Die Showa- Elemente der Honda hingegen, die die gleichen Einstellmöglichkeiten bieten harmonieren nicht miteinander. Die Gabel spricht zu unsensibel an und wirkt sehr hart. Das Federbein hingegen wirkt eher weich. Durch diesen Zustand ergibt sich ein recht kippeliger Fahrzustand. Die Geometrie stimmt einfach nicht. Einer Supermoto sollte man nicht nur einen Motor mit Dampf verpassen und kleine Räder reinstecken. Das Fahrzeug muss auch auf seinen Nutzungsbereich eingestellt werden.
Auch hier sicherte man uns Nachbesserung zu. Ein 150er hinten auf einer 4,25 Zollfelge ist zwar handlich, aber nicht die am besten funktionierende Variante. Eine 4,5 Zollfelge mit einem 160er vermitteln mehr Sicherheit.

 

 

Apropos Sicherheit, hinten bremsen beide original und vorne greifen Negativbeschleuniger namhafter Hersteller kernig zu.
Die Honda- Mannschaft aus Italien zieht im Bereich Bremsanlage für die 490er klar gleich. Aprilia verbaut ab Werk eine Komplettanlage der Firma FTE, oben und unten jeweils in Radialbauweise mit Braking- Scheibe. Die Armatur ist auf verschiedene Handgrößen einstellbar und überzeugt durch einwandfreie Funktion mit geringer Handkraft. Auch die Hondaanker sind aus bekanntem Hause. -Magura heißt der Hersteller. Radial verschraubt am Gabelfuß, mit Stahlflexleitung und einer modernen Radialhandbremspumpe aus gleichem Haus am Lenker. Hier kann man keine der Testkandidatinnen hervorheben, beide Anlagen bremsen überdurchschnittlich gut.

 

 

Optik entscheidet beim Kauf eines Bikes natürlich auch. Die Aprilia ist immer noch die schönste Supermoto, die es zu kaufen gibt. Es passt einfach alles zusammen. Die Linienführung und das Dekor sind typisch italienisch elegant. Leider löst sich der Dekorkleber an der Kante des Tankspoilers leicht ab, was zu einer verklebten Lederkombi und einem Klebstoff verschmierten Tank führt.

Die Montesa Mannschaft hat die typische Crosseroptik geschmackvoll aufgewertet.
Die weiße Honda Lampenmaske mit zugelassenem Einsatz, das edle Dekor, sowie Acerbis Handguards, leicht abgetönte Blinker, einklappbare Spiegel und ein hauseigenes Montesa- Cockpit mit sehr vielen Funktionen, bedienbar über eine Fernbedienung am Lenker, runden das edle Design ab. Unverständlich ist uns allerdings, wie es in Italien passieren kann, dass man, im Verhältnis gesehen, solch ein altbackenes, hässliches Rücklicht verbaut! Dort würde ein schmales, formschönes mit LED- Technik das Heck viel besser zieren.

 

 

Fazit:
Aprilia hat wie schon gesagt eine passende Programmierung des Steuergerätes gefunden. Das Fahrwerk ist toll, kann für den Rennstreckenbetrieb allerdings ein leichtes Anheben des Hecks, oder wenigstens das etwas weitere Durchstecken der Gabel vertragen, da sie sonst etwas hecklastig wirkt. Den hinteren Pneu sollte man endlich beerdigen und einen zeitgemäßen verbauen. Die Vibrationen aus dem Lenkerbereich zu entfernen ist die zweite, mit Sicherheit aufwendigere Aufgabe die Aprilia noch zur Nachbesserung erfüllen sollte.
Bei Honda Montesa stürzt man sich in naher Zukunft schon auf die Herausforderung, die Kinderkrankheiten zu kurieren. Das Fahrwerk ist mit den Erfahrungen der HM- Mannen mit Sicherheit kein Problem und auch die Feinabstimmung der Einspritzung werden sie in kürzester Zeit in den Griff bekommen. Eventuell ist es dann auch möglich, über den Umschalter MAP1/ MAP2 über zwei unterschiedliche Mappings zu verfügen. Das Heck optisch umzugestalten kann man eventuell sogar dem Käufer überlassen. Dafür ist sie aber Zweimann zugelassen.
Leider sind beide Fahrzeuge nicht günstig. Die Honda kostet zirka  10.200 Euro und die Aprilia zirka 9.250 Euro.
Bleibt zu entscheiden, ob man auf der Straße mit diesen Geräten fahren möchte. Fährt man sie offen, erlischt nicht nur die Zulassung, sondern auch die Garantie.
Wenn nicht die Garantie, wie bei der Honda von vorneherein, schon auf die Wettbewerbsgarantie beschränkt wird. Der Spaßfaktor ist groß, aber auch teuer.


 

Technischedaten:

 

Aprilia SXV 450 www.aprilia.de
Motor: 2-Zylinder-77°-V-Motor, vier Titanventile je einer oben-liegenden Nockenwelle
Bohrung & Hub:  76,0 X 49,5 mm
Verdichtung: 13,0 : 1
Kühlung:    Wasser
Hubraum:  449 cm³
Zündung:  Elektronische CDI- Zündung
Gemischaufbereitung:   Elektronische Benzineinspritzung 38mm
Leistung:    14 kW (19PS) mit ABE, offen ca. 55 - 60 PS
Starter:  Elektro- Starter
Getriebe:     5-Gang
Kupplung:  Mehrscheiben-Kupplung im Ölbad
Fahrwerk:    

vorne: hydraulische UPS-Gabel, 48mm,

voll einstellbar
hinten: hydraulisches SACHS-Monofederbein, Ferdervorspannung, Zug- / Druck- Stufen- Dämpfung einstellbar

Bremsen:    vorne: Wave-Scheibe 320mm, Radial FTE 4 Kolbenzange
hinten: Wave-Scheibe 240 mm, Schwimmsattel-Zange
Felge v/h:  Alu-Speichenräder 3.50 x 17; 5.50 x 17
Reifen v/h:  120/70-17, 180/55-17 Dunlop D208
Sitzhöhe:   918mm
Gewicht:  131 kg vollgetankt   
Tankinhalt:  7,5l   
Kraftstoffart:  Super Bleifrei
Preis:  9.240 Euro

 

 

 

 

HM Moto CRM F490 X www.honda-waldmann.de
Motor: 1-Zylinder / 4-Takt
Bohrung & Hub:  100 X 62,1 mm
Verdichtung: 12,0 : 1
Kühlung:    Wasser
Hubraum:  487,5 cm³
Zündung:  Elektronische CDI- Zündung
Gemischaufbereitung:   Elektronische Benzineinspritzung 40mm
Leistung:    18 kW  mit Zulassung
Starter:  Elektro- + Kick Starter
Getriebe:     5-Gang
Kupplung:  Mehrscheiben-Kupplung im Ölbad
Fahrwerk:    

vorne: 47mm SHOWA USD, voll einstellbar
hinten: SHOWA Pro-Link 315 mm

Bremsen:    vorne: Scheibe 320mm, Magura Radial- 4 Kolbenzange
hinten: Scheibe 240 mm, Nissin 1-Kolbensattel            
Felge v/h:  Alu-Speichenräder 3.50 x 17; 4.25 x 17
Reifen v/h:  120/70-17, 150/60-17 Pirelli Dagon Sync
Sitzhöhe:   883mm
Gewicht:  115,5 kg       
Tankinhalt:  8,3l    
Kraftstoffart:  Super Bleifrei
Preis:  10.190 Euro

 

 

 

 

 

 

 

             

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



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